Transalp 2009 Start 13.7.09, 1466 km
18500 hm
Bericht 1. Tag, Mo., 13.7. 93 km 650 hm Bis Rottach Egern am Tegernsee
Karte hier
Start in Oehrberg um 6:25 Uhr. Eigentlich wollte ich den Zug um 7:28 Uhr bekommen. Leider hat sich das Garmin GPS
gleich beim Start blockiert. Ich hätte anhalten müssen und die Batterien kurz rausnehmen, damit es wieder startet.
Das hätte mit zulange gedauert. So mußte ich ohne Uhr bis KG fahren und habe mich deswegen mal lieber ein bißchen beeilt,
um den Zug nicht zu verpassen. Zuviel beeilt, denn ich war um 7:05 schon in KG am Bahnhof und konnte den Zug um 7:07 Uhr.
Ich mußte zwar in SW wieder auf den Anschluss warten, aber dort hatte die Bahnhofsbuchhandlung schon offen und ich konnte
mir die neueste "Mountainbike" kaufen, womit ich mich bei der Zugfahrt mental auf den Gardasee vorbereiten konnte.
Zugfahren im ICE mit Restaurant, Tisch und Steckdosen ist ja wirklich ein Vergnügen. Leider kann man dort kein Fahhrad
mitnehmen. Das geht nur im Regionalzug und das ist eine wahre Plage. 5 Stunden ohne was zu trinken, ohne Strom (das
eigentliche Problem), zusammen im überfüllten Wagen mit 100 Schulklassen und 20 Radfahrern (auch mit Rad).
Glücklicherweise waren die Radlers gut drauf, und die Zeit bis München verging auch ohne Strom wie im Flug und ich habe
sogar noch das eine oder andere über meine geplante Tour erfahren können.
Die erste Panne: Mein Handyakku hat nach 4 Stunden schon schlapp gemacht, ich konnte gerade noch nachsehen, wo´s in München
einen Nokiashop gibt, um einen Ersatzakku zu kaufen.
Nach einem kurzen Umweg über den Nokiashop in der Schwantalerstrasse ging es stadtauswärts. Leider ist es kein Vergnügen,
durch München zu fahren. Vielleicht lags auch am Kartenmaterial: Die auf mein GPS geladenen Radwege von MagicMaps
existierten zum Großteil gar nicht. Kurz vor Aying stieß ich auf eine ausgeschilderte Route "Via Bavarica-Tyrolensis".
Über diese Route war ich im Vorfeld der Planung schon mal gestolpert und wußte, daß die zum Tegernsee geht. Also bin ich
ihr gefolgt. Sie führte über wenig befahrene aber geteerte Straßen, kurze Stücke auch auf Waldwegen, ca 5 km schöne
Singletrails waren auch dabei. Hauptproblem an diesem Tag war die Hitze, um die 30 Grad und schwül, das macht mürb.
Mangels Schiebepassagen und Bergabfahrten im Stehen kam wie befürchtet das Problem mit dem Allerwertesten und dem Sattel
schon weit vor dem Tegernsee. Auch das Problem mit den Krämpfen war da. Diesmal aber am Oberschenkel, an einem Punkt wo ich
noch nie welche hatte. Die Ursache konnte noch unterwegs ausfindig machen und beseitigen: Die Sattelstütze war durch das
Fetten vor der Tour unbemerkt und langsam um 2 cm abgerutscht. Unglaublich, was das für eine Wirkung hat. Nach Hochstellen
des Sattels waren die Krämpfe verschwunden. Das Hotel sah im Internet besser aus als es war. WLAN gabs trotz Prospekt nicht
die Sauna war auch nicht an (verschmerzbar). Aber es gab eine Garage für mein Fahrrad für mein Canyon. Preis Ü/F 44.50 Euro.
KO-Kriterium: Es gab erst ab 8 Uhr Frühstück.
Hotel Berlin, Familie Auracher,
Karl-Holl-Weg 3, Rottach-Egern

Bericht 2. Tag, Dienstag 14.7. 92 km 1850 hm bis Finkenberg/Zillertal
Karte hier
Start gegen 8:30 Uhr. 2 Stunden später als ich mir das gewünscht hätte. Kaum war ich auf der Piste, traf ich auch schon die
ersten Biker, allesamt viel viel schneller als ich, dennoch nahm sich der eine oder andere ein paar Minuten Zeit für ein
Pläuschchen. Nach Valepp traf ich dann auf 2 Schwaben, die panische Angst vor einem Platten hatten
(Schlauch oder Flickzeug hatten sie nicht dabei) und deshalb ihre schmalen 1.9 er Conti Schläppchen auf 5 bar aufgepumpt hatten,
damit ja nix passiert. Mit Fahrkomfort war da nix, und Grip hatten bei dem Druck berab auf der Schotterpiste gar keinen.
Sie mußten so langsam fahren, da konnten wir uns wenigstens ein bißchen unterhalten. Sehr schöne Strecke bis ins Inntal,
keine Autos, wunderbare Wege und tolles Panorama. Bis dahin hatte ich 3 Liter Wasser verbraucht, keine Problem, es gab
überall Brunnen oder Bächlein, wo man nachfüllen konnte.
Im touristisch erschlossenen Inntal oder Zillertal wurde das wirklich zum Problem. Alle Brunnen sind dort verschwunden und
von den Läden hatte keiner offen, daß man was kaufen konnte.
Meine Not bei 30 Grad schwüler Hitze wurde so groß, daß ich auf einem Bauernhof betteln gegangen bin. Die alte Bäuerin
half gerne und ich konnte ein nettes Pläuschchen mit ihr halten. Dabei hatte ich den Liter schon wieder ausgetrunken,
aber sie schenkte gerne nochmal einen Liter nach.
Glücklicherweise tauchten kurz vor Ende des Liters die ersten Dörfer mit noch intaktem Brunnen auf, siehe Foto.
Das Zillertal hochzufahren war ein Vergnügen (außer für den Allerwertesten, der tat schon wieder weh). Es ging wohl leicht
bergauf, aber es wehte ein angenehmer Rückenwind. Der weht fast immer, wie mir die Wasserspender-Bäuerin erklärte.
Bei Mayrhofen wurde es dann aber unverschämt steil. Finkenberg ging nur noch mit Schieben, und daß bei der Hitze auf der
Bundesstrasse. Bei der Planung hatte ich leider übersehen, daß Finkenberg fast 200 m höher liegt als Mayrhofen. Diese 200m
waren für die Katz, denn ich muß am nächsten morgen wieder ein Stück runter um auf den Weg zum Schlegeisspeicher zu kommen.
Dafür hatte ich ein Zimmer. Finkenberger Hof, direkt an der Strasse gelegen :-( WLAN geht trotz vorheriger Bestätigung
auch nicht, ich müßte dringend was arbeiten GRRRR, aber das Abendessen war gut.
Mailen und Bilder hochladen über´s Handy geht zwar fast überall, ist aber mit Roaming im Ösiland recht teuer.
Da es in St.Jakob auch kein WLAN gibt, werde ich morgen vom Pfitscherjoch wohl nach Sterzing abfahren und mir dort auf der Autobahnraststätte
eine Prepaid-Karte mit 1000 MByte holen, das sollte erstmal reichen ...

Bericht 3. Tag, Mittwoch 15.7. 78 km 1462 hm bis Sterzing
Karte hier
Es war fast 8:30 Uhr als ich loskam, da es nicht vor 7:30 Uhr Frühstück gab. Das war wieder zu spät und es war schon heiß,
als ich loskam. Die 200 Höhenmeter waren nicht ganz verschenkt, dank der Kollegen von openstreetmap.org konnte ich einen
Trail finden, der von Finkenberg auf die Route führte, mit nur 100 hm Höhenmeter Verlust, damit hatte ich sogar den ersten
Tunnel elegant umfahren. Die anderen Tunnels waren entgegen anderlautenden Berichten im Internet glücklicherweise beleuchtet,
sonst hätte ich ein Problem bekommen, ich habe kein Licht dabei. Bis kurz vor den Schlegeisspeicher war die Route geteert und
befahrbar. Sture Höhenmeterfressei aber. Kurz vor dem Schlegeisspeicher wird der MTB-Verkehr auf einen Pfad umgeleitet.
Der war zwar meist zu steil zum Fahren, aber landschaftlich reizvoller. Am Schlegeisspeicher zog die Bewölkung zu und es
wurde sehr windig, so daß ich die für dort geplante Rast ausfallen ließ und weiterstrampelte. Radler habe ich keine getroffen, aber sehr viele
Wanderer. Die waren allesamt schneller als ich bergauf.
Auf dem Wanderwegweiser am Schlegeisspeicher stand 2 Stunden, und die habe ich dann auch gebraucht.
Der Wind wurde heftiger und es hat dann auch ordentlich angefangen zu regnen. Am Pfitscherjoch (Italien) auf 2276m
legte ich gegen 14 Uhr endlich die verdiente Mittagspause ein. Die Sonne schien wieder, Italien halt.
Danach ging erst mal ordentlich bergab. Nach dem Vernichten von 1000hm auf der Vorderbremse, schliffen die neuen Bremsbeläge
wengistens nicht mehr. Am geplanten Übernachtungspunkt Hotel Hofer in St Jakob bin ich erstmal vorbeigefahren, ich wollte
ja nach Sterzing, wegen der Handykarte. Die Route aus dem Internet von Traumtouren Transalp führe nicht auf der Teerstrasse,
sondern auf wunderschönen Trails durch die Wiesen runter, das Geld für den GPS-Track war gut angelegt.
Vor Sterzing gings dann mal auf der Teerstrasse ordentlich bergabe, man konnte über längere Zeit eine Geschwindigkeit von
über 70 Sachen halten.
Das Hotel Engel in Sterzing war eher ein Flop. Wohl zu fein für Radler, die Empfangsdame hat mich
richtig erniedrigend angesehen und wollte mir erst gar kein Zimmer geben. Radfahrer sind hier irgendwie assozial. ÜF kostet
55 Euro hier, nicht grad billig.
Mit kostenlosem WLAN im Hotel wie im Internet angekündigt war es natürlich wieder nix. 5 Euro extra und ich konnte es nicht mal
nutzen, weil mein Uraltlaptop die Verschlüsselung WPA nicht kann :-(
Gegessen habe ich das Menü für weitere 18,50 Euro, das war aber sein Geld wert und sehr lecker. Beim Hefeweizen ging ich
kein Risiko ein und hatte Erdinger bestellt.
Nach Sterzing bin ich umsonst runtergefahren, denn die gewünschte Prepaidkarte
gibts nur mit italienischer Steuernummer. Ob ich nun morgen mit dem Bus zurück nach Fussendrass fahre und von dort über Pfitscherjoch wie geplant weiter, oder alternativ
durchs Tal fahre, weiß ich noch nicht. Erstmal den Wetterbericht hören und schauen, was die Mucki´s morgen früh sagen.
Frühstück gibts auch wieder erst ab 7:30 Uhr, vorher gibts angeblich keine Brötchen von Bäcker....
Bericht 4. Tag, Donnerstag, 16.7. 64 km 2200 hm bis Olang/Pustertal
Karte hier
Der Wetterbericht für Südtirol meldet bis zu 36 Grad im Tal, das ist mir zuviel, ich werde aufs Pfunderer Joch fahren,
auf 2600 m ist das sicher leichter erträglich. Ich habe mich schon vor dem Frühstück angezogen und gepackt, um den Bus
um 8 Uhr nach Fussendrass (1400m) zu bekommen. Von dort gings dann hoch zum Pfundererjoch auf 2600m. Die Strecke ist theoretisch
bis kurz vor´s Joch fahrbar. Ich habe es erst gar nicht probiert, sondern locker und entspannend mit 130 Puls in 3 Stunden
hochgeschoben. Vor dem Joch wurde es dann heftig steil und teilweise schneebedeckt. War gar nicht so einfach, da nicht
abzurutschen. Der Weg war auch nicht sichtbar, ohne GPS wäre das schwer gewesen. Oben am Joch war eine (für mich) heftige
Kletterpassage zu bewältigen. Wenn ein entgegenkommender Kollege mich nicht angespornt hätte, wäre ich glatt wieder umgedreht.
Nach dem noch noch mehr zu durchquerende Schneefelder, aber relativ flach, man konnte gerade drüberlaufen. Gut, daß wir den
Winter durchgefahren sind, da hat man etwas Erfahrung mit sowas. Oben gab es jede Menge Murmeltiere (ich denke jedenfalls, daß
das welche waren) zu sehen und lautstark zu hören, sowie jede Menge Kühe, die einem teilweise den Weg versperrten und erst
nach gutem Zureden Platz gemacht haben. Bis zur Weitenbergalm habe ich ca 80% geschoben, was aber in dieser herrlichen Landschaft
keinen Frust bereitet hat. Von dort gings über herrliche Trails und zum Schluß auf wenig befahrener Teerstrasse mit längeren
70km/h Passagen ins Pustertal. Es ist wie wenn man in die Sauna kommt, oben auf dem Joch 12 Grad und nach einem Tunnel
plötzlich 30 Grad. Unten im Pustertal gar 35 Grad. Im Pustertal gibts einen neuen, komplett geteerten Radweg bis Olang.
Denn habe genommen, statt mich über (sicherlich schöne) Wälder und Wiesen zu quälen. Da ich außer im Pustertal fast gar
nicht im Sattel saß, kam ich recht entspannt in Olang an. In dem Hotel Am Park werden auch Radler freundlich empfangen, die
Halbpension kostet 50 Euro, inkl leckerem 3-Gang Menü.
Für morgen habe ich mir Cortina d Ampezzo vorgenommen.

Bericht 5. Tag, Freitag 17.7. 83 km 2230 hm, Übernachtung in Alleghe
Karte hier
Ich bin soeben in Alleghe angekommen, 10 min nachdem ich da war, fing es zu regnen an. Leider schon wieder Elektronikausfälle,
bei den Bildern von heute nachmittag ging das GPS nicht (funktioniert inzwischen wieder und ich habe auch noch ein 2. dabei),
nun kann ich aber leider gar keine Livefotos mit Standort mehr hochladen, locr geht irgendwie gar nicht mehr.
Ich bin gegen 8 Uhr in Olang los mit Ziel auf "Plätzwiese". Der Name klang vielversprechend, es gab dort aber weder Wiese
noch .....
Der Anstieg hinauf ist auf Schotter- und Teerstraßen gut fahrbar. Heute sind auch viele Radler unterwegs und es macht Spaß
zu plaudern. Die Hälfte ist deutsch, aber auch mit den Italienern kann man sich gut auf englisch unterhalten.
Leider sind sie wieder alle viel viel schneller als ich.
Da ich inzwischen erkannt habe, daß nicht Fahren, sondern Schieben meine Stärke ist, ändere ich die Strategie und nehme den Fußweg, der
quer durch die Serpentinen kerzengerade und sausteil den Berg hochgeht. Mit 3 km/h und 15 hm/min komme ich da schneller hoch
als die Radler und habe oben die Meisten wieder eingeholt. Die Aussicht in den Dolomiten hier ist sagenhaft.
Man kann oben gut essen und trinken und auch übernachten, sowohl in der Plätzwiesenhütte als auch im Hotel Hohe Gaisl nebenan.
Oder auf der Dürrensteinhütte, gleich danach.
Die Abfahrt nach Cortina de Ampezzo ist gut geschottert und zügig befahrbar. Kurz vor Cortina hat Uli Stanciu von dem ich die
GPS Daten habe ein paar schöne Waldsingletrails eingebaut. So wie von der Kissinger Hütte zur Schranke, nur viel viel länger.
Über Cortina hatte ich in Sachen Übernachtung nix gutes gelesen. Heiß und laut war es auch, zum Schlafen noch zu früh also bin ich erst gar nicht
reingefahren, sondern gleich auf einem 35% igen Schotterpfad nach Pocol hoch. Gut daß ich gestern noch Bananen eingekauft hatte,
ohne sie und das Powerpulver aus der Apotheke von vorgestern wäre mir das schwer gefallen.
Von Pocol gings dann auf Teerstraße in Serpentinen hoch zum Passo Giau. Die Straße scheint keine Maut zu kosten, so waren
hunderte von Wohnmobilen und tausende von Mopeds unterwegs da. Bei den 10% Steigung wäre ich im Schieben schneller gewesen
als im Sattel. Aber sollen die Touris etwa denken, ich könne das nicht fahren?? Also habe ich mich im Sattel da hochgequält.
Kurz vor dem Pass oben gabs glücklicherweise wieder einen Fußweg, der kerzengerade durch die Serpentinen hochging. Den habe ich dann
genommen, um ungesehen schieben zu können. Ruhiger als auf der Strasse war es auch.
Oben auf dem Pass bei 2250 m eine grandiose Aussicht über die Dolomiten und ein "Hotel", daß mich sofort an die Kissinger
Hütte erinnert hat. Hier hätte ich sehr gerne übernachtet. Außen hing auch ein Schild "Zimmmer frei". Was allerdings
anscheinend nicht für assoziale Radfahrer gilt, auf Nachfrage war dann doch nix mehr frei. Das Schild könne man nicht jeden
Tag umdrehen, so die offizielle Aussage. Auf den Schreck habe ich mir erst mal 2 Hefe und eine Brotzeit gegönnt da oben
und die Aussicht noch ein wenig genossen, bevor ich mich 12oo Meter (das ist so wie wenn man 7x am Stück vom Kreuzberg zum Guckas rauscht) in die Tiefe gestürzt habe.
Auf dem Teer konnte man locker 70 Sachen erreichen, bis Selva di Cadore waren es 29! Spitzkehren. Die Motorräder waren
minimal schneller, 3 Autos konnte ich überholen, ohne selbst von einem überholt zu werden.
Da konnte ich natürlich nicht auf das GPS sehen und habe den Abzweig des Singetrails zwischendurch übersehen.
Nochmal raufschieben wollte ich nicht, so bin ich halt die Straße nach Alleghe gefahren.
Im Sporthotel Europa habe ich mich einquartiert, Ü/F kostet 40 Euro. Kurz nach meiner Ankunft fing es an zu regnen, grad
noch Glück gehabt.
Morgen möchte ich bin ins Etschtal nach Auer kommen, das sind 93 km.
Zum Gardasee sind es von hier noch 193 km. Ich werde also wohl am Sonntag abend dort ankommen.
Bislang bin ich 405km in 31 Stunden und 7020 hm bei einem Schnitt von 13 km/h gefahren.
Bericht 6. Tag, Samstag 18.7. 36 km 1770 hm, Übernachtung in San Pellegrino Hotel Arnika am Pass
Karte hier
Es sag nach einem guten Tag aus, kein Eincremen nötig, nicht schwitzen müssen und ein sauberes Fahrrad. So war es dann
auch, nach wenigen Minuten war der Schmutz und Staub der letzten Tag ab und mein Canyon sag aus wie neu. Erst ging es ein
Stück die Hauptstrasse bis auf 800m bergab, bis ich auf die Wald- und Wiesentrais abbog. Dort ging es höhenmetertechnisch ganz schön
voran, ein ständiges auf und ab, ohne groß an Höhe zu gewinnen.
Die Waldtrails waren nass und glitschig, aber das hat man in der Rhön den Winter über ja geübt. So steil daß eine
Abrutschgefahr bestand, waren sie nicht. Navigationstechnisch war es schwierig, man mußte ständig die Wege und Pfade
wechseln, es bestand immer Verwechslungsgefahr und ausgeschildert ist die spezielle Route nicht. Aber mit 2 GPS besteht kein
ernsthaftes Risiko. Es hat permanent geregnet, zeitweise mit heftigem Wind, aber unter den Goreklamotten
blieb alles warm und trocken. Außer den Füßen, da muß ich nochmal fragen was man da macht.
Als ich bei 5 Grad Celsius und Dauerregen den Pellegrino-Pass erreichte, hörte der Regen natürlich auf und die Sonne schien
gar durchzukommen. Hier heroben hat es in der Nacht wohl geschneit, in den Straßengräben lagen Schneereste und unweit oberhalb
des Hotels war alles weiß. Eigentlich wollte ich ja bis in Etschtal radeln, aber die Aussicht auf eine warme Sauna und Hallenbad
für 49 Euro inkl Halbpension ließen mich die Tour für heute hier beenden.
Morgen wollte ich den Lago di Garda erreichen, das werde ich trotzdem schaffen. Den Passo Lusia werde ich mir schenken, hab ich ja
zuhause auch :-)
Bericht 7. Tag, Sonntag 19.7. 159 km 520 hm, Übernachtung Torbole
Karte hier
Nach 620 km und 9100 hm bin ich am Gardasee angekommen. Ich laß mir die Sonne auf meinen fast weggestrampelten Bauch scheinen
und tippe den Bericht mit den Laptop am Strand, nachdem ich ein ausgiebiges Bad im eiskalten See genommen habe. Wirklich warm
ist es hier auch nicht. Im Wasser habe ich keinen gesehen und die Surfer tragen alle Neopren, das Thermometer zeigt 23 Grad
und der Wind weht heftig. Falls bei dem einen oder anderen Mitleser jetzt Neid aufkommt: Ich fahre wahrscheinlich im September
nochmal und nächstes Jahr von Mai - September dann monatlich 1x, ich freue mich über Mitfahrer. Wir können die Tour auch so
legen, daß sie über den Kreuzberg führt! Kostenmäßig ist das kein großes Ding, außer den Hotelkosten habe ich nur Geld
gebraucht für 9 Hefeweizen, 8 Bananen und 10 Cornys. Viel billiger ist es auch mit Zelten oder daheim nicht.
Heute morgen bin ich bei 2 Grad plus am Pellegrino Paß losgefahren. Ich hatte schon bereut, daß ich die dicke Gore-Softshell
eingepackt hatte, sie hat viel Platz im Rucksack beansprucht. Aber heute morgen war sie ganz angenehm, ebenso die langen
Handschuhe und die Schwuchtelbeinlinge. Da ich möglichst schnell an den Lago wollte, bin ich erstmal keine Rad- und Feldwege
gefahren, sondern habe die Hauptstrasse genommen. Die war um 8 Uhr am Sonntag früh noch erträglich wenig befahren. So hatte
ich mich in einer Stunde die 37 km nach Molina 1200 Meter in die Tiefe gestürzt. Nach Kaltenbrunn ging es dann erst mal wieder
aufwärts, auf wunderschönen Singletrails die der gute Stanciu da entdeckt. Das Geld für dessen Tracks ist übrigens wirklich
gut angelegt, hier mal etwas Werbung für die Firma: www.traumtouren-transalp.de
Die Routen aus dem Buch von 2003 sind nicht mehr ganz aktuell, da hat sich inzwischen radwegemäßig einiges getan.
Die Etappen aus dem interaktiven Planer passen aber. Und an besonders kniffligen Stellen haben die Tracks immer gepaßt.
Ich kann an dieser Stelle nur empfehlen sich ein GPS anzuschaffen für solche Touren. Das gibts schon für knappe 200 Euro,
ein guter Fahrradcomputer kostet ja auch schon was. Grad wenn man alleine unterwegs ist, ist es ein gutes Gefühl, sich auf
dem richtig Weg zu wissen. Von Kaltenbrunn ging es dann größtenteils auf einer ehemaligen Bahntrasse ins Etschtal runter.
Ein Gefühl, ähnlich dem Milseburgradweg, nur heftiger und länger. Hier in Italien aber glücklicherweise nicht geteert sondern
nur geschottert. Man fühlt sich wie ein Lokführer, wenn es über Brücken und Tunnels, immer mit konstantem Gefälle und
durch alte Bahnhöfe geht. Hier habe ich nun auch wieder Radler getroffen, gestern hatte ich ja den ganzen Tag keinen
einzigen gesehen. Ich habe jede Menge Fotos gemacht, leider klappt es mit dem Hochladen von unterwegs nicht so ganz wie
gewünscht, ich werde sie hier mit reinstellen, sobald ich zurück bin. Schaut einfach ab und zu mal rein.
Danke übrigens auch für die netten emails die ich von den Mitlesern erhalte, ich werde mir weiterhin Mühe geben und
bis zur nächsten Tour auch eine Lösung für die Bilder finden.
Das Etschtal runter war schlimmer als am Main entlangfahren, eben und langweilig. Zu sehen gabs außer Obststauden und
der Brennerautobahn auch nix weiter. Das Gewimmel war nicht ganz so stark wie sonntags in Gemünden und ich kam anfänglich
mit ziemlich kostant 30 Sachen gut voran. Ab und an konnte ich sogar im Windschatten eines Rennradlers längere Zeit 35 fahren.
Im Gegensatz zu den anderen Tagen habe ich heute jede Menge Radler überholt und bin auf dem Etschtalradweg von keinem
abgehängt worden. Auch nicht von den Rennradprollos die es gar nicht so leiden konnte, daß ich mich an ihren Windschatten
gehängt habe und mich immer abschütteln wollten. Nach einer gewissen Zeit ging denen immer die Puste aus.
Nach Trento war dann nicht mehr viel los auf den Radweg, und es kam Gegenwind auf. Mehr als 25 Sachen waren nicht mehr drin.
Ich bekamm langsam auch wieder das Problem mit meinem Allerwertesten und freute mich, daß ich von Rovereto rüber zum See
ab und zu mal ein paar Stückchen schieben konnte. Als der See schon in Sichtweite und der Sieg sicher schien, kam noch mal
ein richtig knackiger Trail von Nago runter nach Torbole. Da hat der Stanciu noch mal was gutes ausgesucht.
Richtig große runde Steine und knackig bergab. Mir wurde es zu steil, ich wollte nicht kurz vorm Ziel zum 1. Mal runter
fallen und habe runter geschoben. Es kamen mir auch ein paar schiebende mit Rucksächen entgegen, ein Tier ist wirklich
hochgestrampelt. Allesamt waren es mit Garmin bewaffnete Deutsche, auf Nachfrage bestätige sich mein Verdacht, daß die
auch alle den Stanciu-GPS-Track hatten.
In Torbole wimmelt es von schwer bewaffneten Bikern, das scheint hier wirklich das Biker-Mekka zu sein. Auch Läden gibts
wohl einige.
Die Creme de la Creme der Bikerszene trifft sich Berichten zufolge an der WIND-Bar oder Mecki´s Bike Shop.
Ich werde jetzt mein Canyon grob abstauben, die "Bike-World Brand" Trinkflasche gut lesbar einstecken, mein Geröder-Droohdeseldour
Shirt (nächstes Jahr hoffentlich das MTB-Team Oehrberg by Reifen Kober Shirt :-) überziehen und da mal vorfahren ...
Bericht dann morgen.
Morgen werde ich mir einen von den schönen Bergen hier außenrum mal vornehmen, einen auf den man einen schönen Spaziergang
hochmachen damit, damit sich mein A.. wieder erholt.
Es gibt also in den nächsten Tagen auch noch was zu lesen, bleibt dran ....
Übernachtung: Torbole, Villa Mimosa, Ü/F 40 Euro

Bericht 8. Tag, Montag 20.7. 74 km 2050 hm
Karte hier
Ich bin die Tour Nummer 3 aus dem Montainbikemagazin 08/09 zum Tremalzo Berg gefahren, allerdings anderrum (mit dem
Uhrzeigersinn). Details siehe www.mountainbike-magazin.de/TopSpot_Garda
Es war ein schöner, erholsamer Tag, wie geplant. Ich habe gemütlich 7 Stunden hochgeschoben, Mittagspause am Paso Nota
gemacht, dort Spaghetti für 4 Euro gegessen, dazu gabs noch einen Gratisschnaps. Die Wege hier sind wunderbar ausgeschildert,
vor kniffligen Stellen steht immer ein Warnschild. In den Bergen hier sind jede Menge Radler unterwegs. Ca ein Drittel fährt
hier Canyonbikes. Die Aussicht am Tremalzo war leider nicht so toll wie erwartet, es war trüb.
Die Abfahrt (1800 hm am Stück) über den Letrosee traumhaft. Bilder folgen, wenn ich daheim bin.
Die Rhön ist toll, die Alpen sind minimal besser aber hier ist wirklich das Trailparadies.
Hier könnte ich es eine Weile aushalten, muß aber langsam mal an die Heimreise denken.
Was ich morgen mache weiß ich nocht nicht. Entweder hier noch einen Berg fahren oder über die Berge Richtung Norden
zurückfahren. Keinesfalls werde ich das Etschtal hochstrampeln, mein Allerwertester hat sich noch nicht erholt.
Bericht 9. Tag, Dienstag 21.7. 42 km 110 hm
Karte hier
Heute gibt´s leider nix aufregendes zu berichten. Ich wollte die Tour 6 aus www.mountainbike-magazin.de/TopSpot_Garda
fahren. Die Tour sollte zum Monte Baldo gehen, der scheint vernüftig nur mit einer Seilbahnstrecke zu erreichen zu sein.
Ich hatte mich gestern bei den Cracks an der WINDS-Bar erkundigt. Die sagten, man könne da zwar auch sein Bike hochtragen,
hätte aber danach nur noch auf eines Lust: Mit der Seilbahn runterfahren.
Ich habe die ganze Nacht mit meinem Gewissen gerungen, ob das moralisch vertretbar ist, die Seilbahn zu nehmen.
Was würden sie am Kreuzberg wohl dazu sagen? Nun, ich hätte es ja verschweigen können. Aber es kam nicht so. Ich bin heute
morgen nach Malcesine gestrampelt und als ich die Schlange dort sah, ist mir schon mulmig geworden. Die Gondeln die da grad
fuhren haben dann erst mal gar keine Bikes mitgenommen und die Biker mußten alle warten. Gegen 11 (das wäre ein 1 Stunde
gewesen) solle angeblich eine Gondel fahren, die vielleicht Biker mitnimmt. Das war mir dann zu doof zu warten. Ich bin dann
noch ein Stück am See runtergeradelt und dann wieder hoch. Habe mir Malcesine und Riva angesehen und mich dann am See in
die Sonne gelegt und am Laptop die Tour für morgen geplant. Heute war es schön am See und das Wasser auch nicht ganz so kalt.
Ich werde morgen definitiv Richtung Norden fahren bzw schieben. Bis Meran werde ich diese Tour hier
http://www.gps-tour.info/de/touren/detail.21007.html fahren, danach wohl auf der Via Claudia weiter. Mal sehen, wie weit ich
komme.
Der geschätzte nicht infizierte Leser möge die folgenden Zeilen bitte nicht lesen, oder sich wenigstens nicht drüber aufregen.
Für potenzielle Nachahmer oder Mitfahrer ist das aber ein sehr wichtiges Thema:
Ich glaube die Ursache meines A.. Problemes herausgefunden zu haben. Es lag sicherlich mit am schweren Rucksack, dann bilde
ich mir ein: Am Reifendruck. Die Oberhoftour war ich mit 1,8 bar gefahren, das spürt man vom Schotter oder Pflaster oder
rauhem Teer nix. Über´s Pfundener Joch wäre ich auch gerne mit 1,8 gefahren, aber von München zum Tegernsee und das Etschtal
wäre mir das zu wenig gewesen. So hatte ich mich als Kompromiss für 2,2 bar entschieden, um nicht unterwegs rumpumpen oder messen zu müssen.
Dieser Druck ist halt nicht ganz so komfortabel. Die Hauptursache aber war wohl die Unterhose. Am Kreuzberg wird immer wieder
empfohlen, ohne Unterhose zu fahren, ich hätte drauf hören sollen. Ich bin bis dato immer mit der bewährten weißen Schießer-
Feinripp-Unterhose gefahren und hatte damit keine Probleme. Für die Tour hatte ich aber eine synthetische Sportunterhose an,
weil ich dachte, daß die nach dem täglichen Waschen schneller trocknet. War aber nicht, ich mußte sie immer lange fönen und
sie hat wohl mehr gescheuert als das Schießerteil. Die letzten beiden Tage bin ich also komplett ohne gefahren. Die 3/4 Gonso Hose
trocknet nach dem Waschen wider Erwarten schneller als die besagte Unterhose. Ich weiß nicht, wie weit die Gesäßcreme hilft,
die manche Kollegen verwenden. Ich hatte schon aus Gewichtsgründen keine mit. So habe ich gestern und heute einfach mal die
Sonnencreme verwendet, und die hat geholfen!
Interessiert jemanden, was ich alles dabeihatte und was das ganze Geraffel gewogen hat? Wenn ja, schickt mir doch
eine email an michael@manger-m.de dann werde ich die nächsten Tage mal meine Packliste hier mit einstellen.
Bericht 10. Tag, Mittwoch 22.7. 152 km 1410 hm bis Meran
Karte hier
Nach einem ausgiebigen Frühstück bin ich gegen 8:30 Uhr Richtung Arco gestartet. Gleich nach Torbole ließ der Verkehr nach
und die Strecke war viel angenehmer zu fahren, als nach Rovereto. Der Ruhetag hatte wirklich gutgetan, insbesondere meinem
inneren Schweinehund. Der war heute ohne Murren bereit, auch mal etwas mehr als G1 zu geben. Runterwärts hat er spätens bei
70% max Herzfrequenz abgeregelt, heute war er bereit, über längere Zeit 75%, manchmal gar 80% zu geben. So kam ich recht gut
voran, auch weil der Track erstmal ausschließlich über Teerstrassen führte. Die Schotterwege hier haben nicht wie bei uns,
einen ebenen Streifen, der bei Trockenheit einen ähnlich niedrigen Rollwiderstand wie Teer hat. Hier ist das Zeugs mehr lose
und hat merklich mehr Rollwiderstand als Teer. Hinzu kommt der Schlupf, wenn´s bergauf geht. Es ging an vielen schönen
Seen vorbei. Ich beschloss, beim letzten See mal zu testen, wie es ist mit voller Montur in den See zu gehen, ein paar
Runden zu schwimmen und dann einfach weiterzufahren. Es hatte schließlich 35 Grad da kann man sich keinen Zug mehr holen oder?
Über wunderschöne Serpentinen (ähnlich der Ponalestrasse, wartet die Fotos ab) gings also hinauf bis zum letzen See, dem
Lago Molveno. Leider führte der Weg ca 100hm oberhalb vom See vorbei, ich hätte da erst runterklettern müssen. Das hätte
mich zuviel Zeit gekostet. Ich hatte Angst, daß in der schwülen Hitze Gewitter aufziehen und wollte keine Zeit verlieren.
Nicht nur der Stanciu von Traumtouren-Transalp findet die schönen Weglein, auch der Autor des Tracks den ich heute gefahren
bin, hat sie gefunden. Dem muß ich mal ein Dankesschreiben schicken, wenn ich daheim bin. Wunderbar Waldtrails, zum Teil
als Singletrail. Die waren zwar nicht so eben wie bei meiner Höhenmeterkalkulation angenommen, sondern es ging auf und ab.
Die Weglein waren aber so schön, daß sie jeden Höhenmeter wert waren. Eigentlich wollte ich gegen Mittag wieder im Etschtal
sein, hatte es bis 14 Uhr aber gerade mal bis Andalo geschafft. Dann ist es jetzt auch Wurscht dachte ich, und habe in
Andalo heute ausnahmsweise mal Mittag gegessen. Vom Mithören am Stralsbacher Tisch am Kreuzberg wußte ich, daß die Cracks
in solchen Situationen Nudeln essen, also habe ich mir welche bestellt. Die Kellnerin verstand kein englisch, so konnte
ich ihr nicht verklickern, daß ich eine Apfelsaftschorle wollte. So habe ich dann ein Bier bestellt, daß kann ich
glücklicherweise in vielen Sprachen.
Nach dem Essen freute ich mich darauf, mich zur Abkühlung auf Asphaltserpentinen 800m in die Tiefe stürzen zu können.
Aber so weit kam es nicht, gleich nach dem Ort nahm mir so eine fiatfahrende Italomammamia die Vorfahrt, zwang mich erst mal
zur Vollbremsung und schlich dann mit den dort erlaubten 50 km/h vor mir her. Im Windschatten von dem Fiat war bei dieser
Geschwindigkeit keine Abkühlung spürbar. Ob die MTB-Übersetzung es hergibt, bei 50 Sachen zwischen 2 Serpentine zu
überholen? Ich beschloss, es zu testen, zur Not hätte ich ja wieder hinten einscheren können. Und, ja, es ging. Ich hätte
es nicht geglaubt, aber man kann bis 70 km/h bei 150 Kurbelumdrehungen mitstrampeln. Das Gesicht von der Mama hättet ihr
sehen sollen. Hatte sie sich schon beim Vorfahrt nehmen verschätzt, aber jetzt erst! Die Freude währte nicht lange,
der Trackautor hatte vorgesehen, weiter unten von der Teerstraße abzubiegen und über die Wirtschaftswege der Apfelplantagen
die restlichen Höhenmeter zu vernichten. War auch nicht schlecht, hier konnte man öfters zwangsduschen. Die Stauden werden
hier tagsüber (macht man sowas??) bewässert und die Italiener machen sich nicht die Mühe, das so einzustellen, daß es nicht
auf die Straße spritzt. Der Track den den Autor vorgesehen hatte durch die Stauden, den gab es leider nicht in Form eines
Weges. So hatte ich mich gescheit verfranzt in dem Labyrinth und min dann nur im Luflinienmodus mit vielen Umwegen und
Extrahöhenmetern wieder rausgekommen. Nach einem kurzen Stück Hauptstrasse bin ich dann in Mezzomixdingsda im Etschtal
angekommen. Da war ich letzte Woche schon mal. Bis Ora gings also auf bekannter Strecke weiter. Heute war mir das Radweg
aber wohlgesonnen. Wahrscheinlich hat er gelesen, was ich über ihn geschrieben hatte. Ok, ich nehme alles wieder zurück,
heute blies ein angenehm kräftiger Rückenwind. Selbst ohne zu treten, fuhr man im Stehen mit 10 Sachen dahin.
Mit 70% Leistung konnte man gute 30 Sachen locker halten. Ich wollte nun unbedingt wissen, ob das mit dem Wind im Etschtal
ein System hat, und fragte an einer Raststelle zwei ältere Italiener. Die erklären mir, daß die Mafiosi im Süden und die
Österreicher im Norden sich nicht einig sind, und deswegen der Wind mal so und mal anders blase. Aber blasen tut er immer.
Das sei aber kein Problem, mann könne immer an den Bäumen erkennen, woher der Wind weht. Tolle Auskunft. An der nächsten
Bananentankstelle habe ich der Verkäufer gefragt, der wußte es schon besser. Morgens käme der Wind immer von Norden, und
nachmittags immer von Süden. (Das deckte sich mit meiner Erfahrung). Außer wenn in Österreich schlechtes Wetter sei, dann
wäre es anders. So wußte ich auch gleich, wie in Ösiland das Wetter heute war.
In Bozen ist er Wind offensichtlich rechts in Richtung Brenner abgebogen, Richtung Meran war jedenfalls keiner mehr. Im
Gegenteil, er kam immer stärker von vorne. Kurz vor Meran fing es dann an zu regnen, was mich aber bei der schwülen Hitze
mehr als recht war. Hier angekommen, gefällt es mir erst mal nicht, aber es ist 18:30 Uhr und ich mag nicht mehr weiter.
Hier stinkts überall stechend nach Chemie, mir tränen sogar die Augen. Trotz Regen ist es schwül hier. Dreckig zudem.
Das Hotel Isabella ist schweineteuer, 70 Euro mit Abendessen von dem ich nicht satt geworden bin. Die nutzen im Regen stehende
Radler schamlos aus hier. Stadtrundfahrt gestrichen, ich gehe auf´s Zimmer und haue morgen früh gleich wieder ab hier.
Bericht 11. Tag, Donnerstag 23.7. 144 km 1245 hm bis Landeck
Karte hier
Übernachtung Hotel Sonne, Landeck, direkt an der Route. Preis Ü/F 35 Euro. "Bikerfreundlich" stand außen dran, wie bei
jedem Hotel hier. Sind sie auch. Man wird nicht so dämlich angesehen wie zum Teil andernorts passiert, sondern freundlich
begrüßt, denen ist auch klar, daß man nur einen Nacht bleibt.
Halbpension gibts leider nicht, aber Essen von der Karte und eine Theke die bis 24 Uhr offen ist, das sollte reichen.
Die Leberknödelsuppe für 2,20 Euro war sehr lecker, auf die Tiroler Gröst warte ich gerade ...
Aber von vorne. Nach dem eher mageren Frühstück ohne Ei bin ich um 8 Uhr gestartet. Immerhin gabs in dem Nobelschuppen
schon ab 7:30 Uhr Frühstück, nicht ab 8 Uhr wie andernorts. Draußen war´s noch genau stickig und schwül wie gestern,
so daß ich die Stadtrundfahrt auf eine Fahrt quer durch beschränkt habe. Es gab nix, was ich als sehenswert hätte einstufen
können. Nix wie weg hier. Es ging gleich stetig berauf und 200 hm weiter oben war das Wetter nicht mehr so schwül und
erträglich. Zu sehen gab´s weiter nix auf dieser Route, ein perfekt ausgebaut und beschilderter Radweg. Lediglich mit
der Homogenität der Steigung haperte es. Mal ein Stück flach, mal ein Stückchen leicht bergauf, mal ein Stücken steil
was absteigen und Schieben lohnte. Aber nur bis zur nächsten Kurve, dann gings wieder flach. Echt nervig, ständig schalten,
Dämpfer auf- und zumachen, auf- u absteigen. Wie im Buch Traumtouren-Transalp beschrieben, ging es nur durch Apfelstauden.
Heute konnt ich mal testen, wie es ist, mit pitschnassen Klamotten zu fahren. Auch hier werden die Stauden tagsüber bewässert.
Manche Bauern machen sich nicht mal die Mühe, den Strahl auf die Stauden auszurichten, der ging nur auf den Radweg.
Die ersten paar hundert Meter war das ja ganz lustig. Als der Weg dann aber so naß war, daß es auch noch von unten gespritzt
hat, hat es keinen Spaß mehr gemacht. Am liebsten wäre ich mal abgestiegen und hätte so eine Anlage demonstrativ außer
Gefecht gesetzt. Wo ich noch gut bedient war. Mir hat es wenigstens nicht die Frisur zerstört, unter dem Helm.
Aber auf der Via Claudia sind auch gut frisierte ältere Damen mit Sommerkleidern auf Hollandrädern unterwegs, die haben
geflucht wie die Rohrspatzen!
Die Steigung war ätzend, nicht genug um zu schieben und zuviel um es auf Dauer zu fahren. Diese lächerlichen 1500m auf den
Reschenpass kamen mir schlimmer vor als alle anderen Pässe. Ich habe es nicht mal geschafft, den am Stück zu nehmen. Kurz vor
Burgeis war die Langweiligkeit der Strecke auch bis zu meinem inneren Schweinehund vorgedrungen und der wollte einfach nicht
mehr, ganz plötzlich. Ich mußte den Notfall-Traubenzucker antasten und war froh, daß ich Burgeis erreicht hatte. Mittagessen
habe ich bei allen Touretappen runterwärts nicht gebraucht, aber heute mußte es schon wieder sein. Lag wohl auch am fehlenden
Ei heute morgen. Eigentlich wollte ich um 12 Uhr oben auf dem Reschenpass sein, nun war es 14 Uhr und ich war gerade in Burgeis.
Mit Spagetti umd Apfelschorle hatte ich es dann wirlich noch geschafft, auf den verflixten Reschenpass hinaufzukommen.
Auf dem Radweg war sehr viel los, die meisten fuhren allerdings in die andere Richtung. Beeindruckt hat mich, was manche
Leute über die Alpen schleppen. Wer denkt: Respekt vor dem Manger, der schleppt einen Laptop über die Alpen, der wird hier
eines Besseren belehrt. Da gibts junge Kerle, die haben vorne und hinten je 2 Packtaschen drauf und quer drüber einen
Riesensack, wo wohl ein Zelt und Schlafsäcke drin sind. Auf Nachfrage war zu erfahren, daß Sie neben Zelt etc auch eine
komplette Kochausrüstung dabeihaben. Summa summarum 35 kg! Oder die Leute, die im Anhänger zwei Kinder sitzen haben und da
hochstrampeln. Die Frau hat natürlich auch einen Anhänger mit dem Gepäck, für 2 Kleinkinder braucht man wohl so einiges.
Respekt!
Zu sehen gab es oben am Reschenpaß weiter nix, ein großer See sonst nix, was das Zücken des Handys gelohnt hätte.
Leider hatte ich diesen Teil der Tour gar nicht geplant, also weiter keine Ahnung, wie das nun runterwärts abgeht.
Außer den GPS Track hatte ich nicht. Auch keine Karte, außer den Openstreetmap im GPS. Die Ösis sind da leider nicht so
aktiv wie unsereiner und es waren nicht viele Straßen eingezeichnet. Ich ging davon aus, daß ich mich nach dem Pass schön
locker ohne Treten ins Inntal hinunterstürzen kann, dem war aber nicht so. Es ging nur so leicht runter und so ein starker
Gegenwind, daß ich ordentlich treten mußte um wenigstens 25 km/h zusammen zu bekommen. Und das bergab. Zwischendurch gab´s
einen Tunnel vor dem der Radweg plötzlich aufhörte und nicht weiter ausgeschildert hatte. Durch den Tunnel war das Radeln
verboten und es gab keine Weg irgendwie außenrum. Ich habe erst mal angehalten die Koordinaten und ein Bild gespeichert, um
den Herrn Stanciu von dem ich den Track hatte, nach der Tour einen bösen Brief zu schreiben. Da kam von hinten eine Gruppe
mit ca 50 Radlern. Der Tunnel schien nicht ganz ungefährlich, aber diese Gruppe fuhr dort rein. So habe ich die Hälfte der
Truppe vorbeigelassen und mich dann in die Truppe eingereiht, da fühlte ich mich halbwegs sicher vor den Mopeds und Autos.
Wie ich im Gespräch erfuhr, waren es Tschechen, die die Via Claudia fuhren, mit Bus und Radanhänger. Sie hatten sich im Bus
auf den Reschen fahren lassen, und auch den Fernpaß hoch wollten Sie im Bus fahren. Bleibt ja nimmer viel, dachte ich mir.
Weiter unten ließ der Wind zwar nach, aber mit zügig runterfahren war dennoch nix. Der Inn fließt zwar gleichmäßg runter,
nicht aber der Radweg. Der geht nebenan auf und ab. 95% geteert, wie hochwärts, 5% Schotten. Das gleich Spiel wie raufwärts,
ständig schalten, Dämpfer auf und zu, Wiegetritt und Sitzen, grausam.
Vom Flair "Alpencross" wie ich es runterwärts erlebt habe, kam absolut gar nichts auf. Gut, daß ich auf den Elmar gehört habe
und runterwärts über die Dolomiten gefahren bin statt "Via Claudia".
Theoretisch ging´s bis Imst im Inntal bergab, da wollte ich auch noch fahren. Habe dann aber in Landeck um 19 Uhr abgebrochen.
Die "Via Claudia" hat noch 58 km und einen relativ lächerlichen Paß mit 1200m, die werde ich wohl morgen schaffen.
Bericht 12. Tag, Freitag 24.7. 127 km 1368 hm bis Schongau, LKr. Weilheim
Karte hier
Nach einem tollen Frühstück mit ein Plausch mit 2 Ösis die eine Ost-West-TransAlp gemacht hatten, gings loa. Wie gestern
zum Schluß, auf dem Radweg mit ständigem berauf bergab auf Teer. Bis Imst hatte ich einiges an Höhe verloren, aber dennoch das Gefühl,
immer nur bergauf gefahren zu sein. Der Radweg scheint geteert bis hoch zum Ferpaß zu gehen, ich hatte den aber satt und habe
mich für die Wanderwege entschieden, die ich auch im GPS-Track hatte. Die machten ein paar kleine Umwege, waren aber die
Extra-Höhenmeter wert. Auf diesem Weg kamen mir sehr viele Biker entgegen, die am morgen in Ehrwald gestartet waren. Viele
von ihnen fuhren die Albrecht-Route. Vom Fernpass runter ging es über wunderschöne Singletrails mit Waldwegen. Es gab ein
paar Gegenanstiege zu bewältigen, dafür fuhr man auf dem Panoramaweg.
In Ehrwald endet die offizielle Via-Claudia Radtour. Dort habe ich dann erst mal zu mittag gegessen und einen auf den
Double-Alp-X getrunken. Ich bin ja jetzt quasi ein Finisher (so sagt man an Mecki´s Bar zu denen, die sowas vollendet haben).
Was nun mit dem angebrochenen Tag anfangen? Freitag mittag Bummelzug fahren ist schlimmer als Vinschgau-Radweg.
Ich hatte noch einen GPS-Track im Laptop, aus der Zeit, als ViaClaudia noch der Planungsstand war. Der ging von Ehrwald
Richtung Augsburg. Geplant hatte ich den mal mit Magic Maps und glücklicherweise hatte ich auch genaue Höhendaten
eingefügt (geht mit GPS-Trackanalyse.net). Es erwarteten mich 400hm Anstieg mit ca 20% am Stück und eine flache Abfahrt
durch Niemandsland bis nach Oberammergau. Für 20% Steigung bin ich immer zu begeistern, so muß ein Uphill sein. Den kann
man schön locker bei 75% Pumpenleistung mit der für mich max. erreichbaren durchschnittlichen Steigrate von 13 hm/min schieben.
So war es dann auch, es waren ein paar kurze Fahrpassagen dabei und nach knapp 40 min hatte ich die 1200m erreicht.
Wie dieser Paß (der ja fast so hoch wie der Fernpaß ist) heißt, konnte ich auf dem ganzen Weg nicht erkennen.
Der Downhill war flacher, so daß man ihn ohne Bremsbelagverschleiß fahren konnte. Er zog sich lange hin, meist im Wald und
außer 2 Radlern und einem Holzmacher habe ich auf dem Weg keinen getroffen. Irgendwann kam ich dann in Oberammergau raus.
Das war zwar nett anzusehen, aber jede Menge Touris, die Straßen verstopft, überall Schlußverkauf, nix wie weg hier.
So bin ich den Track weitergeradelt, über teilweise geschotterte, teilweise geteere Radwege. Beispielsweise auf dem Ammer-Amper-Radweg. Es ging minimal bergab, die Strecke war sehr abwechslungreich, führte durch schöne Örtchen und das
Klima war angenehm: 20 Grad und bewölkt, ideal zum Radfahren. Mein Schweinehund war bereit, auf Dauer 75% zu geben, ich kam
zügig voran und hatte mir Landsberg am Lech so als Ziel gesetzt. Kurz vor Schongau hat es dann angefangen zu regnen.
Da grad eine Pizzeria mit Fremdenzimmer zur Hand war, habe ich spontan abgebrochen.
Das Zimmer mit Dusche/WC auf´m Flur kostet 20 Euro die Nacht, Frühstück gibt´s keins hier. Macht aber nix, so kann ich
endlich mal richtig früh los. Wenn´s regnet zum Bahnof, wenn nicht Richtung Augsburg. Bis heim sind´s noch 400 km ...
Hier geht sogar UMTS, ich könnte also ein paar Bilder hochladen, ich poste später die Adresse hier ...
Fortsetzung folgt ...
Bericht 13. Tag, Samstag 25.7. 196 km 795 hm bis Dinkelsbühl
Karte hier
Kurz vor Dinkelsbühl hat der Akku vom Garmin-GPS schlapp gemacht und aufgehört, km zu zählen, der Tag war wohl zu lang.
Somit waren´s wohl 200 km, den Rest fahr ich heute abend noch bei der Stadtrundfahrt.
Kurz vor 7 Uhr bin ich gestartet, gefrühstückt habe ich dann in Landsberg am Lech. Bis dahin ging´s einigermaßen züging
voran. Danach setzte Gegenwind ein, der bis Dinkelsbühl so heftig wurde, daß ich gerade noch 15 km/h auf der Ebene
zusammenbrachte. Angenehm war es nicht, den ganzen Tag im Sattel zu verbringen, es waren keine Schiebepassagen dabei.
Zu sehen gab´s weiter nix außer langweiliger Radwege. Schön war der vor, durch und nach Augsburg. Geregnet hat´s auch
ein paarmal zwischendurch. In Donauwörth war Stadtfest, da habe ich mittag gegessen.
Bis heim sind´s noch 200 km, die will ich morgen nicht unbedingt fahren. Da müßte mir der Wind schon sehr wohlgesonnen
sein. Auf den Mainradweg von Würzburg nach Gemünden am Sonntag mittag, wo alle unterwegs sind, habe ich auch nicht
gerade Lust, und den kenne ich ja auch schon. Ich werde mich in Würzburg in den Zug setzen.
Wo habt ihr die Willkommensparty geplant, Kissingen Rakoczyfest oder Kreuzberg?
Bericht 14. Tag, Sonntag 26.7. 151 km 841 hm bis Oehrberg
Karte hier
Nach einer Stadtrundfahrt durch das schöne Dinkelsbühl ging es über
langweilige Radwege über Feuchtwangen, Rothenburg ob der Tauber, Ochsenfurt nach
Würzburg. Highlight für alle Radfahrer mit dem Eisenbahntick war der
Gaubahnradweg. In
Winterhausen habe ich bei einem Kumpel eine Pause eingelegt und von Würzburg
dann den Zug nach Bad Kissingen genommen. Dort hatte die Stadt Bad Kissingen für
mich eine Riesenwillkommensparty organisiert, die ganze Stadt war auf den Beinen
und am Marktplatz spielte meine
Lieblingsblaskapelle für mich auf. Der Aufenthalt dort war länger als
geplant, so daß ich später als erwartet in Oehrberg einradelte. Dort standen
einige Fans und der Bürgermeister von Oehrberg seit Stunden an der Straße und
warteten auf mich. Im Ort waren Transparente aufgehängt und unter tosendem
Applaus fuhr ich in die Oehrbachstrasse 55b ein.
Danke liebe Fans, für den herzlichen Empfang!

Bedanken möchte ich mich an dieser Stelle auch beim Elmar aus Stralsbach.
Ohne ihn hätte ich nicht mal ein vernünftiges Fahrrad. Von ihm habe ich bei der
Vorbereitung der Reise viele wertvolle Tips erhalten. Während der Tour hat er
mich online betreut.
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